Die faszinierende Welt der Wildlife-Fotografie steht vor einem ernsten Dilemma: Wรคhrend wir atemberaubende Tierbilder erschaffen wollen, sind die Wildtiere unseres Planeten bereits von allen Seiten bedroht - durch Klimawandel, Lebensraumverlust, Wilderei und Jagd.
"Ein gefรผttertes Tier ist ein totes Tier" - dieser drastische Satz verdeutlicht die schwerwiegenden Folgen unverantwortlicher Wildtierfotografie. Leider ist das Anfรผttern von Tieren fรผr das "perfekte" Foto mittlerweile zur gรคngigen Praxis geworden.
Dabei sollte bei ethischer Wildtierfotografie ein Grundprinzip stets an erster Stelle stehen: Das Wohl des Tieres geht immer vor dem Foto. Die besten Wildtierfotografen beherrschen die Kunst, nah genug heranzukommen, aber gleichzeitig respektvollen Abstand zu wahren.
In diesem Artikel zeige ich dir, wie du beeindruckende Wildlife-Fotos machen kannst, ohne die Tiere zu stรถren oder zu gefรคhrden. Denn letztendlich kรถnnen solche Bilder mehr als nur begeistern - sie schaffen eine emotionale Verbindung zwischen Betrachter und Motiv und tragen zum Naturschutz bei, indem sie Bewusstsein fรผr den Schutz unserer Tierwelt schaffen.
Was Wildlife-Fotografie mit Respekt bedeutet
Respektvolle Wildlife-Fotografie unterscheidet sich grundlegend von anderen Fotografiebereichen, denn sie trรคgt eine besondere Verantwortung. Anders als bei Landschafts- oder Portrรคtaufnahmen haben wir es mit Lebewesen zu tun, die unsere Anwesenheit als Bedrohung wahrnehmen kรถnnen.
Wildtiere als fรผhlende Wesen verstehen
Wildtiere sind keine bloรen Fotomotive oder Ressourcen fรผr unsere Bilder - sie sind fรผhlende Wesen mit eigenen Emotionen und Bedรผrfnissen. Tatsรคchlich verfรผgen sie รผber eine breite Palette an emotionalen Kapazitรคten, komplexen Familienstrukturen, Kommunikationssystemen und รberlebensmechanismen. Mitgefรผhl, Wertschรคtzung und Respekt sollten deshalb im Mittelpunkt jeder Wildtierfotografie stehen.
Wildtiere kรคmpfen tรคglich ums รberleben - sie mรผssen sich vor Raubtieren schรผtzen, Nahrung finden, Unterschlupf bauen und ihren Nachwuchs groรziehen. Unser Eingreifen als Fotografen kann diesen ohnehin schon herausfordernden Alltag zusรคtzlich erschweren. Die Darstellung von Wildtieren in sozialen Medien trรคgt zudem oft zu falschen Vorstellungen bei. รbertrieben zahme oder รผbergewichtige Tiere vergiften unser Bewusstsein darรผber, wie Wildtiere wirklich aussehen und sich verhalten.
Die Rolle des Fotografen als Gast in der Natur
Als Wildlife-Fotografen sind wir Gรคste in einem Lebensraum, der lange vor unserer Ankunft bestand und auch nach unserem Weggehen bestehen bleibt. Diese Perspektive ist entscheidend fรผr eine ethische Herangehensweise. Der Lebensraum, in dem wir fotografieren, ist das Zuhause des Tieres - wir sind lediglich Besucher.
Naturfotografen sind zudem Augenzeugen des Klimawandels und kรถnnen ihre Bilder nutzen, um der Gesellschaft die damit verbundenen Umwรคlzungen buchstรคblich vor Augen zu fรผhren. Mit diesem Privileg geht allerdings eine groรe Verantwortung einher. Unsere Anwesenheit sollte keine bleibenden negativen Auswirkungen hinterlassen.
Ethische Grundsรคtze der Wildtierfotografie
Die Organisation "Nature First" hat sieben zentrale Grundsรคtze fรผr ethische Naturfotografie formuliert:
Das Wohlergehen der Natur steht immer vor der Fotografie
Informiere dich vorab รผber die Orte, an denen du fotografierst
Denke รผber die Auswirkungen deiner Handlungen nach
Sei diskret und teile geografische Daten nicht leichtfertig
Kenne und befolge lokale Regeln und Vorschriften
Folge den "Leave No Trace"-Prinzipien
Klรคre andere auf und verbreite diese Prinzipien weiter
Besonders wichtig: Achte auf Anzeichen von Stress bei deinem Motiv. Wenn ein Tier sein Verhalten รคndert โ etwa aufhรถrt zu fressen, sich wiederholt umdreht oder Warnrufe ausstรถรt โ bist du zu nah und solltest zurรผckweichen. In solchen Fรคllen ist es besser, den Ort zu verlassen und dem Tier Raum zu geben, sich wieder zu beruhigen.
Die Authentizitรคt der Bilder spielt ebenfalls eine zentrale Rolle in der ethischen Wildtierfotografie. Bildmanipulationen untergraben das Vertrauen in Fotografie als Kommunikationsmittel. Daher ist die unbedingte Rรผcksicht auf die Motive sowie eine grundlegende Authentizitรคt der Arbeiten fรผr viele Fotografen und ihr Publikum von groรer Bedeutung.
Wildlife-Fotografie mit Respekt bedeutet somit, das Wohlergehen des Tieres stets รผber das Foto zu stellen. Die eindrucksvollsten Tierbilder entstehen durch Geduld und Respekt โ nicht durch Manipulation oder Stรถrung des natรผrlichen Verhaltens.
Komm mit auf meine Fototouren und tauche ein in die Welt wilder Landschaften und einzigartiger Begegnungen. Gemeinsam verfeinern wir deine fotografischen Fรคhigkeiten โ praxisnah, kreativ und voller Inspiration. Jetzt Platz sichern und die Magie von Licht und Natur neu entdecken.
So bereitest du dich richtig vor
Eine erfolgreiche Wildlife-Fotografie beginnt lange vor dem ersten Auslรถsen der Kamera. Grรผndliche Vorbereitung ist der Schlรผssel zu beeindruckenden und ethisch vertretbaren Tieraufnahmen. Die richtige Mischung aus Wissen, Ausrรผstung und Tarnungstechnik legt den Grundstein fรผr auรergewรถhnliche Wildtierfotos.
Wissen รผber Tierarten und Verhalten sammeln
Beim Fotografieren von Wildtieren ist ein grundlegendes Verstรคndnis ihrer Verhaltensweisen unverzichtbar. Bevor ich meine Kamera packe, recherchiere ich ausfรผhrlich รผber die Tierarten, die ich fotografieren mรถchte. Dazu gehรถren Informationen รผber deren Aktivitรคtszeiten, Lebensraum und typische Verhaltensweisen. Je besser ich "meine" Tierart kenne, desto besser werden meine Bilder.
Fรผr besondere Aufnahmen sollte ich wissen:
Wo sich die Tiere aufhalten
Wann sie aktiv sind (Tag oder Nacht)
Ihre Fressgewohnheiten und Zeiten
Sozialverhalten und Gruppenstrukturen
Saisonale Besonderheiten (Brutzeit, Paarungszeit)
Besonders wichtig ist es, die Brunft- und Setzzeiten zu kennen. Im Winter fahren viele Wildtiere ihren Stoffwechsel herunter, wodurch ein Aufscheuchen lebensbedrohlich sein kann. Gleiches gilt fรผr die ersten warmen Tage im Jahr, wenn die Brut- und Setzzeit stattfindet. Ein guter Wildlife-Fotograf nimmt sich Zeit zum Beobachten, um Verhaltensmuster zu erkennen und den perfekten Moment vorherzusehen.
Die richtige Ausrรผstung fรผr stรถrungsfreie Aufnahmen
Die Wildtierfotografie stellt hรถchste Ansprรผche an die Ausrรผstung. Sowohl Kamera als auch Objektiv mรผssen robust und hervorragend verarbeitet sein, um auch unter widrigsten Bedingungen zuverlรคssig zu funktionieren. Regen, Staub, Sand und Schnee gehรถren zum Alltag eines Wildlife-Fotografen.
Allerdings bedeutet erfolgreiche Wildtierfotografie nicht zwingend, das teuerste Equipment zu besitzen. Vielmehr ist entscheidend, die vorhandene Ausrรผstung perfekt zu beherrschen. Vor allem bei schlechten Lichtverhรคltnissen in den Morgen- und Abendstunden, wenn Wildtiere besonders aktiv sind, zeigt sich die Qualitรคt der Technik.
Tarnung und unauffรคlliges Verhalten planen
Die perfekte Tarnung ist ein entscheidender Faktor in der Wildtierfotografie. Tiere, die Menschen als Gefahr wahrnehmen (weil sie z.B. bejagt werden), reagieren sehr schnell gestresst auf die Anwesenheit eines Naturfotografen. Dabei geht es um drei Aspekte: optische Tarnung, akustische Tarnung und Geruchstarnung. Das Ziel ist es, mit der Umgebung zu verschmelzen und die natรผrlichen Ablรคufe nicht zu stรถren.
Zunรคchst sollte ich auf angepasste Kleidung achten. Tarnkleidung in Farbtรถnen, die zur Umgebung passen, ist der erste Schritt. Darรผber hinaus nutze ich je nach Situation verschiedene Tarnmethoden:
Fรผr Vรถgel und scheue Sรคugetiere: Tarnzelte oder Tarnverstecke
Bei dynamischen Aufnahmen: Tarnรผberwรผrfe/Burkas oder Tarnnetze
Fรผr stationรคre Beobachtungen: natรผrliche Deckungen erweitern
Besonders wichtig ist die Windrichtung. Viele Wildtiere haben einen ausgezeichneten Geruchssinn und kรถnnen Menschen aus groรer Entfernung wittern. Daher versuche ich, gegen den Wind zu fotografieren. Zudem achte ich auf gerรคuscharme Bewegungen โ ein knackender Ast kann ausreichen, um ein Tier zu verscheuchen.
Schlieรlich plane ich meine Standortwahl sorgfรคltig. Ich berรผcksichtige den Sonnenstand, den Hintergrund und potenzielle Stรถrfaktoren wie Wanderwege. Die Beobachtung aus angemessener Distanz mit einem Teleobjektiv ermรถglicht mir, die Tiere in ihrem natรผrlichen Verhalten festzuhalten, ohne sie zu beeintrรคchtigen.
Im Feld: So fotografierst du ohne zu stรถren
Der kritische Moment ist gekommen: Du stehst im Feld, das Tier im Blick, die Kamera bereit. Gerade jetzt entscheidet sich, ob deine Wildlife-Fotografie respektvoll bleibt oder zum Stรถrfaktor wird. Die Kunst des unaufdringlichen Fotografierens erfordert mehr als nur technisches Kรถnnen โ sie verlangt ein tiefes Verstรคndnis fรผr die Balance zwischen gelungenem Foto und dem Wohlergehen der Tiere.
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Langsamkeit und Ruhe bewahren
In der Wildlife-Fotografie ist Geduld nicht nur eine Tugend, sondern eine Notwendigkeit. Schnelle Bewegungen und Hektik lรถsen bei Wildtieren sofort Fluchtreflexe aus. Deshalb bewege ich mich im Feld stets langsam und bedacht, fast wie in Zeitlupe. Abrupte Bewegungen sind unbedingt zu vermeiden, da sie Tiere erschrecken und vertreiben.
Die Stille ist ebenso entscheidend. Unterhaltungen gehรถren in der Wildtierfotografie nicht ins Feld โ dafรผr ist ein anderes Mal Zeit. Viele Menschen verhalten sich in der Natur leider "wie die Axt im Walde", was weder Ergebnisse bringt noch der Natur gut tut. Besser ist es, sich ruhig zu verhalten und wenig zu sprechen โ auch bei Haustieren wie Hunden, die auf Kommandos reagieren. Permanentes Herumkommandieren lรคsst Tiere die Lust verlieren, und sie ziehen sich zurรผck.
Ein Buch lesen und einfach abwarten funktioniert oft am besten โ fรผr lรคngere Wartezeiten empfehle ich einen Klappstuhl und ein Hรถrbuch, um die Zeit sinnvoll zu nutzen.
Tiere nicht in ihrem Verhalten beeinflussen
Das Wohl des Tieres steht immer an erster Stelle. Die besten Fotos sind stets jene, die natรผrliches Verhalten zeigen โ nicht solche, bei denen Tiere auf รคuรere Einflรผsse oder Stress reagieren. Eine gute Faustregel lautet: Wenn deine Anwesenheit das Verhalten eines Tieres verรคndert, bist du zu nah oder zu auffรคllig.
Um Wildtiere ethisch vertretbar zu fotografieren, muss ich Stรถrungen auf ein absolutes Minimum reduzieren. Dies umfasst sowohl direkte als auch indirekte Interaktionen. Konkret bedeutet das: kein Verfolgen, Rufen, Ablenken oder Einmischen. Besonders verwerflich und strikt zu vermeiden sind Praktiken wie:
Besprรผhen eines Tieres mit Wasser
Einschrรคnken der Bewegungsfreiheit von Kleintieren
Einsperren oder Fangen eines Tieres
Zwingen des Tieres in unnatรผrliche Positionen
Anstatt hinter einem Tier herzurennen, setze ich mich lieber hin oder bleibe stehen und warte geduldig. Die stรคndige Annรคherung wird vom Tier als Bedrohung empfunden und lรถst Fluchtreaktionen aus.
Vermeidung von Stresssituationen
Wildtiere zeigen durch bestimmte Verhaltensweisen, wenn sie sich gestresst fรผhlen. Als verantwortungsbewusster Fotograf muss ich diese Anzeichen erkennen und respektieren. Wenn ein Tier Anzeichen von Stress oder Stรถrung zeigt, gehe ich zurรผck und verwende stattdessen ein lรคngeres Objektiv.
Ein gestresstes Tier kann:
aufhรถren zu fressen
sich wiederholt umdrehen
Warnrufe ausstoรen
unruhig werden oder fliehen
Allerdings variiert der angemessene Abstand je nach Tierart und Situation. Ein aggressiver Auerhahn beispielsweise kann wรคhrend der Balz sogar Menschen attackieren und mit seinem harten Schnabel nicht nur Kleidungsstรผcke zerreiรen, sondern auch schmerzhafte Wunden zufรผgen, wรคhrend ein scheues Wildschwein schon auf 200m Entfernung Reiรaus nimmt.
Es lohnt auch, Tiere zu fotografieren, die natรผrlicherweise an Menschen gewรถhnt sind, wie Wasservรถgel in Parks oder Tiere in der Stadt: dort zeigen sie vรถllig unbeeindruckt vom Menschen ihr natรผrliches Verhalten und lassen sich hervorragend fotografieren.
Verantwortungsvoller Umgang mit Gruppen
Ein Tier, das von Menschenmassen umgeben ist, ist ein gestresstes Tier โ besonders wenn es wild ist. Bei Gruppenbeobachtungen achte ich darauf, wo ich mich positioniere, um den Stress fรผr das Tier zu minimieren. Alternativ komme ich zu einer Tageszeit, wenn weniger Menschen vor Ort sind.
Respekt gegenรผber anderen Fotografen ist ebenso wichtig wie der gegenรผber den Tieren. Bevor ich mich anderen anschlieรe, die bereits in einem Gebiet fotografieren, frage ich hรถflich nach. Auรerdem informiere ich andere, wenn ich sie bei unangemessenem oder schรคdlichem Verhalten beobachte. Leider gefรคhrden viele Menschen unwissentlich sich selbst und Tiere.
Das einfache Anhalten und Warten, bis Tiere in ihrem eigenen Tempo weitergehen, macht oft den entscheidenden Unterschied fรผr ihr Wohlbefinden. Bei zu vielen Menschen, die Wildtieren zu nahe kommen oder ihnen sogar Zugang zu Nahrung gewรคhren, kรถnnen die Folgen schwerwiegend sein โ diese Tiere werden hรคufig umgesiedelt oder mรผssen manchmal sogar eingeschlรคfert werden.
Im Kern ist erfolgreiche Wildlife-Fotografie eine รbung in Selbstdisziplin: Langsam sein, geduldig warten, aufmerksam beobachten und im richtigen Moment die Kamera bedienen. Die Belohnung sind nicht nur bessere Bilder, sondern auch das Wissen, die Tiere und ihren Lebensraum respektiert zu haben.
Nach dem Foto: Was du beachten solltest
Die ethische Verantwortung eines Wildtierfotografen endet nicht mit dem Auslรถsen der Kamera. Tatsรคchlich beginnt nach dem Fotografieren ein ebenso wichtiger Abschnitt โ die Nachbearbeitung und Verรถffentlichung der Bilder. Hier entscheidet sich, ob die Integritรคt deiner Wildlife-Fotografie gewahrt bleibt.
Keine irrefรผhrenden Bildunterschriften
Bei Wildtierbildern ist Ehrlichkeit oberstes Gebot. Transparente Bildunterschriften verleihen deiner Arbeit Authentizitรคt und Glaubwรผrdigkeit. War das Tier wild oder trainiert? Hast du Kรถder verwendet? All diese Informationen gehรถren in die Bildunterschrift. Wenn es dir unangenehm ist, Details zur Entstehung eines Fotos zu teilen, ist das ein deutliches Zeichen, dass deine Methoden wahrscheinlich nicht mit ethischen Grundsรคtzen รผbereinstimmen.
Dabei gilt:
Vermeide wertende Aussagen รผber Tiere, die nur auf ihrem Aussehen basieren
Erwรคhne Aufnahmebedingungen besonders bei seltenen oder geschรผtzten Arten
Stelle sicher, dass deine Bildunterschriften korrekte Fakten vermitteln
Verzicht auf รผbertriebene Bearbeitung
Die herausragendste Qualitรคt der Naturfotografie ist ihre Authentizitรคt. Sie ist die Kunstform, die der Realitรคt am nรคchsten kommen kann. Allerdings schwindet mit fortschreitender Technologie, besonders durch kรผnstliche Intelligenz in Bildverarbeitungsprogrammen, zunehmend diese Authentizitรคt.
Gute Bearbeitung dient lediglich dazu, technische Einschrรคnkungen zu รผberwinden. Es existieren unter Wildlife-Fotografen unterschiedliche Meinungen darรผber, ob man Bildbestandteile entfernen sollte oder nicht. Folge dem Grundsatz: Die Integritรคt des Objekts muss durch Aufrechterhaltung der Authentizitรคt gewahrt bleiben. Falls du das Foto stark bearbeitet hast, solltest du dies in der Bildunterschrift erwรคhnen.
Keine Verรถffentlichung sensibler Standorte
In der heutigen Zeit des Geotaggings kรถnnen unรผberlegte Ortsangaben schwerwiegende Folgen haben. 2018 forderte zum Beispiel das Jackson Hole Travel & Tourism Board Besucher auf, ihre Orte nicht mehr zu taggen, nachdem "Influencer" auf der Suche nach dem perfekten Instagram-Foto in die Gegend gestrรถmt waren und abgelegene Wanderwege รผberfรผllten. รhnliches kennen wir aus dem Nationalpark Berchtesgaden, wo wildgewordene Influencer sich in Bergbรคche setzten, um ein richtig cooles Foto zu erhalten.
Besonders kritisch ist dies bei gefรคhrdeten Arten. Im Jahr 2020 baten die Verantwortlichen des Krรผger-Nationalparks in Sรผdafrika, keine Bilder von Nashรถrnern und Elefanten mit Ortsangaben zu verรถffentlichen, da Wilderer diese Informationen nutzen kรถnnten. Als verantwortungsbewusster Fotograf solltest du daher bei sensiblen Arten auf Geotags verzichten und auch den exakten Standort nicht in Bildunterschriften oder Artikeln preisgeben.
Wie deine Fotos zum Naturschutz beitragen kรถnnen
Ethisch erstellte Wildtierfotos sind weitaus mehr als nur schรถne Bilder โ sie kรถnnen aktive Werkzeuge fรผr den Naturschutz werden. Die Macht eines einzigen Fotos, das Millionen Menschen erreicht, kann entscheidend fรผr den Schutz gefรคhrdeter Arten sein.
Zusammenarbeit mit NGOs und Forschern
Die Kooperation mit Naturschutzorganisationen und Wissenschaftlern verleiht deinen Bildern zusรคtzliche Bedeutung. Es empfiehlt sich, zunรคchst lokale Projekte zu unterstรผtzen und Kontakt zu Nicht-Regierungsorganisationen (NGOs) in deiner Region aufzunehmen. Diese Zusammenarbeit schafft nicht nur einen Abnehmer fรผr deine Bilder, sondern unterstรผtzt gleichzeitig deren Arbeit. Auรerdem sichert die Zusammenarbeit mit Forschern eine genaue und authentische Darstellung der fotografierten Tiere.
Nicht nur die groรen Organisationen wie der WWF brauchen Bilder zur รffentlichkeitsarbeit - auch kleinere Vereine suchen hรคnderingend nach Aufnahmen um ihr Schutzziel zu bebildern. Ich arbeite eng mit dem Luchs Bayern e.V. zusammen, um meine Luchsbilder fรผr den Artenschutz zu nutzen - mit Erfolg!
Storytelling mit Wirkung
Besonders wirkungsvoll sind Fotoprojekte, die รผber das einzelne Bild hinausgehen und Geschichten erzรคhlen. Erfolgreiche Wildlife-Fotografen beweisen, dass Bilder "Augen รถffnen, Emotionen wecken und Bewusstsein schaffen" kรถnnen. In einer Zeit, in der vielen Menschen der direkte Bezug zur Natur verloren geht, machen solche Bilder sichtbar, was sonst im Verborgenen bliebe. Beim Storytelling geht es darum, nicht nur Schรถnheit zu zeigen, sondern auch Zusammenhรคnge zu vermitteln.
Bewusstsein durch Bilder schaffen
Dank sozialer Medien kรถnnen Tierschutzthemen heute weltweit verbreitet werden. Ein einziges Foto, das viral geht, kann Millionen dazu bewegen, Petitionen zu unterschreiben oder fรผr den Schutz von Wildtieren zu spenden. Die Wildlife-Fotografie hat somit die Macht zu inspirieren, aber auch die Verantwortung, keinen Schaden anzurichten. Deine Bilder kรถnnen die Geschichte "fรผhlender Wesen mit einer breiten Palette an emotionalen Kapazitรคten" erzรคhlen.
Fazit
Die ethische Wildlife-Fotografie stellt das Wohlbefinden der Tiere stets an erste Stelle. Tatsรคchlich haben unsere schรถnsten Naturaufnahmen oft eine Geschichte der Geduld, des Respekts und der sorgfรคltigen Vorbereitung zu erzรคhlen. Diese Herangehensweise schafft nicht nur bessere Bilder, sondern schรผtzt auch die Lebensrรคume und Verhaltensweisen der Tiere, die wir so bewundern.
Allerdings erfordert dieser respektvolle Ansatz Selbstdisziplin und Einfรผhlungsvermรถgen. Wildtiere verdienen unseren Respekt als fรผhlende Wesen mit eigenen Rechten und Bedรผrfnissen. Deshalb sollten wir uns stets als Gรคste in ihrer Welt verstehen, nicht als Eindringlinge oder Stรถrfaktoren.
Durch sorgfรคltige Recherche, geduldiges Beobachten und angemessene Distanz entstehen letztendlich die authentischsten und beeindruckendsten Aufnahmen. Diese Bilder kรถnnen anschlieรend kraftvolle Werkzeuge fรผr den Naturschutz werden und bei Betrachtern echte Emotionen und Verbindungen zur Tierwelt wecken.
Unser Verhalten als Fotografen hat weitreichende Konsequenzen. Jedes Mal, wenn wir die Kamera heben, treffen wir eine Entscheidung โ entweder fรผr kurzfristigen Erfolg auf Kosten der Tiere oder fรผr nachhaltige, ethische Fotografie, die sowohl die Tierwelt als auch unsere Kunst respektiert.
Natรผrlich beginnt ethische Wildlife-Fotografie mit dem einzelnen Fotografen, aber sie endet nicht dort. Durch Weitergabe unseres Wissens und unserer Werte kรถnnen wir eine Gemeinschaft von verantwortungsbewussten Fotografen aufbauen, die gemeinsam daran arbeiten, die Schรถnheit der Natur zu dokumentieren und gleichzeitig zu schรผtzen.
Letztendlich sind die besten Wildlife-Fotos jene, die nicht nur visuell beeindrucken, sondern auch mit gutem Gewissen entstanden sind. Denn was nรผtzt das perfekte Bild, wenn es auf Kosten derer gemacht wurde, die wir eigentlich verewigen und schรผtzen wollen?


