Wintervögel vor der Linse – Die besten Spots rund um München für Vogelfotografie

von Julius Kramer | 03.01.2026 | Naturfotografie in München

Der Winter wirkt auf den ersten Blick nicht wie die klassische Jahreszeit für Naturfotografie. Die Tage sind kurz, die Finger werden schnell kalt – und viele Arten sind längst Richtung Süden verschwunden. Trotzdem (oder gerade deshalb) ist der Winter für Vogelfotografen oft eine der besten Zeiten im Jahr.

Der wichtigste Grund ist banal, aber entscheidend: Es fehlt das Laub. Plötzlich sind Uferlinien, Äste, Strukturen und Sitzwarten sichtbar, die im Sommer komplett im Grün verschwinden. Vögel sind leichter zu entdecken – und auch leichter zu fotografieren, weil du saubere Bildausschnitte und klare Linien findest.

Dazu kommt: Viele Vögel konzentrieren sich jetzt auf bestimmte Orte. Offene Wasserflächen, geschützte Buchten, ruhige Flussabschnitte oder Futterstellen bündeln Aktivität. Du musst nicht ständig “suchen”, sondern kannst an einem Spot bleiben und beobachten – das ist oft der Schlüssel für gute Bilder.

Und dann ist da natürlich das Licht: Winterlicht ist besonders. Die Sonne steht tief, selbst mittags wirkt das Licht weicher und plastischer als im Sommer. An frostigen Tagen kommt diese klare, kühle Stimmung dazu – und wenn Schnee liegt, wird aus einer einfachen Szene schnell ein Bild, das man im Kopf behält.

Rund um München haben wir außerdem das Glück, dass die Region im Winter nicht “leer” wird. Im Gegenteil: Neben unseren Standvögeln kommen Wintergäste aus dem Norden dazu – und an den Seen sammeln sich oft beeindruckende Mengen an Wasservögeln. Wer sich in diesen Wochen bewusst Zeit nimmt, bekommt eine Motivvielfalt direkt vor der Haustür, die viele unterschätzen.

In diesem Artikel findest du die besten Winter-Spots rund um München, dazu typische Arten, Ausrüstungstipps und Praxiswissen für starke Aufnahmen – immer mit einem Fokus, der mir wichtig ist: respektvolles Fotografieren, ohne Druck auf die Tiere.

Inhaltsverzeichnis

Die besten Locations um München für Vogelfotografie

Isarauen und Flaucher

Am Flaucher sammeln sich viele Schwäne - perfekt für Naturfotografen.
Am Flaucher sammeln sich viele Schwäne – perfekt für Naturfotografen.

Isarauen (Flaucher): Entlang der Isar – besonders im Abschnitt Flaucher im Süden Münchens – liegt eines der vielseitigsten Reviere für Winter-Vogelfotografie in Stadtnähe. Der Fluss ist hier renaturiert, verzweigt sich in mehrere Arme und bildet breite Kiesbänke, dazu kommt Auwald mit vielen ruhigen Ecken. Genau diese Mischung macht den Spot so spannend: Du bekommst offene Wasserflächen für Wasservögel – und gleichzeitig Struktur im Hintergrund, die Bilder sofort “natürlicher” wirken lässt.

Im Winter sind die eisfreien Stellen an der Isar ein Magnet. In den ruhigeren Flussabschnitten lassen sich regelmäßig Gänsesäger beobachten, oft aktiv auf Nahrungssuche. Mit etwas Geduld siehst du auch Eisvögel, die pfeilschnell knapp über der Wasseroberfläche entlangschießen, und Wasseramseln, die an den Ufern zwischen Steinen unterwegs sind. Auf den Kiesinseln tauchen immer wieder Gebirgsstelzen auf – und gelegentlich auch Wasserpieper, wenn die Bedingungen passen.

Weiter südlich, in Richtung Tierparkbrücke, sammeln sich im Winter teils richtig große Trupps: Höckerschwäne, Graugänse, Stockenten und Lachmöwen können dann in hohen Zahlen auf der Isar liegen. Das bietet starke Motive – Schwäne im Morgenlicht, gemischte Ententrupps, oder einfach diese ruhige Winterstimmung, wenn sich alles auf wenigen offenen Wasserstellen konzentriert. Auch einige “Münchner Klassiker” unter den Gänsen sind hier regelmäßig dabei, etwa Kanadagänse oder Weißwangengänse.

Abseits des Wassers lohnt sich der Abstecher in den Flaucherwald. Gerade im Winter, wenn die Vegetation offen ist, wird der Auwald fotografisch interessant: Mehrere Spechtarten sind hier zu Hause, dazu Kleiber und Drosseln. Rund um Kleingartenanlagen und ruhigere Bereiche findet man immer wieder Futterstellen, an denen sich – je nach Jahr – auch mal Bergfinken, Grünfinken, Stieglitze oder Gimpel aus relativ kurzer Distanz zeigen.

Der Flaucher ist natürlich ein beliebtes Naherholungsgebiet – aber genau deshalb ist Timing hier alles: Früh am Morgen und unter der Woche ist es deutlich ruhiger, und die Vögel wirken entspannter. Und ein Punkt, der mir wichtig ist: So verlockend es manchmal aussieht – Wasservögel bitte nicht mit Brot füttern. Das hilft nicht, sondern schadet am Ende mehr.

Wenn du den Spot ruhig angehst und dir Zeit nimmst, ist der Flaucher perfekt für beides: dynamische Action (startende Enten, jagende Säger) und stimmungsvolle Winterporträts mit einer Kulisse, die trotz Stadtnähe erstaunlich wild wirkt.


Nymphenburger Schlosspark

Die barocke Parkanlage im Westen Münchens wirkt im Winter fast wie eine eigene kleine Welt. Schnee, offene Wasserflächen und die historische Kulisse sorgen für eine besondere Stimmung – und gleichzeitig für eine erstaunliche Vogelvielfalt. Die weitläufigen Kanäle und Teiche frieren meist nicht komplett zu und ziehen im Winter zahlreiche Wasservögel an.

In den Wintermonaten sind hier vor allem Schwäne, Enten und Gänse präsent, oft in hoher Zahl. Fotografisch reizvoll ist dabei die Kombination aus Tier und Umgebung: Wasservögel vor Schlossfassaden, Brücken und alten Baumreihen ergeben Motive, die sofort einen starken Ortsbezug haben. Ein echtes Highlight sind die Gänsesäger, die regelmäßig im Schlosskanal unterwegs sind. Vor allem die Männchen fallen mit ihrem klaren Schwarz-Weiß-Kontrast und dem dunkel schimmernden Kopf sofort ins Auge, während die Weibchen mit ihrem rostroten Schopf einen schönen Farbakzent setzen.

Was Nymphenburg besonders macht, ist die geringe Scheu vieler Vögel. Viele Tiere sind an Menschen gewöhnt und lassen relativ kurze Distanzen zu. Das ist ideal, wenn man nicht mit extremen Brennweiten arbeiten möchte oder bewusst auch etwas mehr Umgebung ins Bild integrieren will. Höckerschwäne kommen oft sehr nah ans Ufer, Kanadagänse und Lachmöwen zeigen kaum Berührungsängste – perfekte Bedingungen für ruhige Portraits oder Detailaufnahmen.

Neben den „Stammgästen“ lohnt es sich, im Winter gezielt nach Wintergästen und Raritäten Ausschau zu halten. Immer wieder tauchen im Park Entenarten auf, die man sonst eher an großen Seen oder in Schutzgebieten erwartet. Gerade in kalten Wintern können solche Beobachtungen fotografisch besonders spannend sein, weil sie sich oft in direkter Nähe zu bekannten Motiven abspielen. Auch die Graugänse sind im Winter auffällig: Sie halten sich in Familienverbänden auf den Wiesen auf und bieten interessante Verhaltensszenen.

Abseits der Wasserflächen gibt es weitere Möglichkeiten. In manchen Wintern erscheinen Seidenschwänze in den Baumkronen, wenn Beeren reichlich vorhanden sind, oder Bergfinken, die in Trupps nach Bucheckern suchen. Und dann sind da noch die Waldkäuze: In den alten Bäumen des Schlossparks leben sie ganzjährig, und im Winter sind sie tagsüber manchmal in ihren Schlafhöhlen zu sehen. Mit ausreichend Abstand und einem Teleobjektiv lassen sich diese Szenen ruhig und respektvoll fotografieren – ohne die Tiere zu stören.

Nymphenburg bietet damit eine enorme Bandbreite: vom auffälligen Wasservogel bis zum perfekt getarnten Nachtjäger, alles eingebettet in eine historische Kulisse. Mein persönlicher Tipp: früh am Morgen nach Neuschnee kommen. Wenn der Park noch ruhig ist und sich das Licht langsam über Schloss, Kanäle und Schwäne legt, entstehen Bilder, die man so nur im Winter machen kann.


Ammersee & Starnberger See

Die großen Voralpenseen westlich und südlich von München gehören im Winter zu den spannendsten Gebieten für Wasservogelfotografie in ganz Mitteleuropa. Durch ihre Größe und Tiefe frieren sie nur selten vollständig zu – und genau das macht sie jedes Jahr zu einem Magneten für tausende überwinternde Vögel.

In den Wintermonaten sammeln sich hier teils beeindruckende Mengen an Wasservögeln. Besonders auffällig sind die riesigen Schwärme von Blässhühnern, die sich oft zu mehreren Tausend auf offenen Wasserflächen zusammenfinden. Dazu kommen große Zahlen an Enten: Reiherenten, Kolbenenten, Tafelenten und Schellenten prägen vielerorts das Bild. Gerade letztere stoßen im Spätwinter verstärkt aus dem Norden dazu und bringen Bewegung auf die Seen, wenn sie tauchend nach Nahrung suchen.

Zwischen den häufigen Arten gibt es immer wieder Überraschungen. Mit etwas Glück tauchen seltenere Meeresenten, besondere Lappentaucher oder sogar große Seetaucher auf, die aus arktischen Breiten stammen. Diese Arten sind im Winterkleid oft zurückhaltend gefärbt, aber gerade deshalb fotografisch reizvoll – sie erzählen eine Geschichte von Zug, Kälte und Anpassung, die man nicht oft vor die Linse bekommt.

Fotografisch bieten Ammersee und Starnberger See zwei sehr unterschiedliche, aber gleichermaßen spannende Ansätze: Einerseits lassen sich Massenansammlungen inszenieren – tausende Enten auf spiegelglattem Wasser, dahinter das Alpenpanorama oder Nebelbänke im Morgenlicht. Andererseits besteht immer die Chance auf seltene Einzelarten, die plötzlich zwischen den Trupps auftauchen und ein Bild besonders machen. Gerade am Starnberger See werden immer wieder außergewöhnliche Beobachtungen gemeldet, die den Reiz dieser Winterspots ausmachen.

Am Ammersee ist vor allem das Südufer interessant. In den schilfgesäumten Buchten halten sich im Winter neben den allgegenwärtigen Stockenten auch Krickenten auf – unsere kleinsten Gründelenten – sowie immer wieder der Zwergsäger. Dieser kleine, kontrastreich gefärbte Säger ist ein typischer Wintergast aus dem Norden und für viele Fotografen ein echtes Highlight. Ihn ruhig im Sucher zu verfolgen, während er elegant durch flaches Wasser gleitet, gehört zu den Momenten, für die man im Winter gerne friert.

Wichtig ist bei beiden Seen ein realistischer Blick auf die Distanzen. Viele Vögel halten sich weit draußen auf oder bleiben in Flachwasserzonen und Buchten, wo sie Nahrung finden. Ohne Teleobjektiv mit ausreichend Brennweite kommt man hier fotografisch schnell an Grenzen. Bewährt haben sich feste Beobachtungspunkte, etwa erhöhte Uferbereiche oder Beobachtungstürme, von denen aus man einen guten Überblick hat und gleichzeitig Abstand wahrt.

Dieser Abstand ist entscheidend. Viele der nordischen Enten und Taucher reagieren empfindlich auf Störungen. Deshalb gilt an beiden Seen im Winter eine klare Ruhephase: Wassersport findet nicht statt, und die Vögel können ungestört rasten. Für uns Fotografen heißt das ganz konkret: nicht drängen, nicht hinterhergehen, keine Drohnen, und lieber mit Geduld arbeiten. Wer das respektiert, wird belohnt – mit entspannten Tieren, natürlichem Verhalten und Bildern, die genau diese Ruhe widerspiegeln.

Wer einmal an einem frostigen Morgen am Ammersee oder Starnberger See steht, das erste Licht über das Wasser zieht und sich Atemwolken über hunderten schwimmenden Enten bilden, versteht schnell, warum diese Seen im Winter so besonders sind. Die Winterruhe schenkt nicht nur den Vögeln Sicherheit, sondern uns Fotografen Motive, die lange im Gedächtnis bleiben.


Englischer Garten

Münchens große Stadtpark-Oase lohnt sich auch im Winter – gerade mit Teleobjektiv. Auf relativ kleinem Raum treffen hier sehr unterschiedliche Lebensräume zusammen: alte Laubbäume, offene Wiesen, der Kleinhesseloher See und mehrere Bäche. Diese Mischung sorgt für eine erstaunliche Vogelvielfalt, die im Winter durch zusätzliche Gäste ergänzt wird.

Am Kleinhesseloher See sind ganzjährig Wasservögel präsent. Viele davon sind an Menschen gewöhnt und lassen sich gut fotografieren. Neben Stockenten, Reiherenten, Graugänsen, Kanadagänsen, Höckerschwänen und Blässhühnern tauchen immer wieder auch weniger typische Arten für einen Stadtpark auf, etwa Mandarinenten oder Kolbenenten. Im Winter kann man am Ufer oft auf Augenhöhe fotografieren, da viele Tiere neugierig näherkommen. Auch wenn das Füttern offiziell nicht erwünscht ist, erklärt es zumindest, warum die Vögel hier vergleichsweise zutraulich sind – ein klarer Vorteil, wenn man ohne Tarnung arbeitet.

Ein besonderes Highlight sind die Eisvögel entlang des Eisbachs. Dank einiger nie zufrierender Abschnitte jagen sie hier auch im Winter Fische. Einen Eisvogel auf einem schneebestäubten Ast über dem Bach zu fotografieren braucht Geduld, ist aber durchaus möglich – und eines der schönsten Wintermotive im Park.

Sehr ergiebig sind im Winter auch die Futterstellen für Kleinvögel. Dort lassen sich typische Standvögel aus nächster Nähe beobachten: Blaumeisen und Kohlmeisen turnen an den Knödeln, Kleiber klettern kopfüber an Stämmen, während Buchfinken, Grünfinken oder Rotkehlchen am Boden nach Körnern suchen. Selbst Buntspechte schauen regelmäßig vorbei. Für diese Motive reicht oft schon ein mittleres Tele (200–300 mm), da die Vögel kurze Distanzen zulassen. Wichtig ist, ruhig zu bleiben und Bewegungen langsam auszuführen.

Abseits der Futterplätze begegnet man im Winter Amseln, Drosseln, Krähen und gelegentlich Schwärmen von Erlenzeisigen in den Bäumen. Durch seine hervorragende Zugänglichkeit ist der Englische Garten ideal für spontane Fotostreifzüge – egal ob zu Fuß, mit dem Rad oder per U-Bahn. Und mit verschneitem Monopteros, vereistem See oder frostigen Bäumen bietet der Park starke Hintergründe für stimmungsvolle Vogelaufnahmen mitten in der Stadt.


Speichersee Eching

Der Echinger Speichersee ist ein echter Wasservogel-Hotspot. Große Fläche, gute Beobachtungsmöglichkeiten, oft eisfreie Bereiche – und damit sehr konstant im Winter.

Du findest dort viele Entenarten, Gänse, Schwäne, Reiher und je nach Bedingungen auch Überraschungen. Für Fotografen ist das Gelände besonders dann spannend, wenn du nicht nur “Artenlisten” willst, sondern auch Verhalten: Flugbewegungen, Interaktion, Jagdszenen.

Ein Aussichtspunkt oder ein erhöhtes Ufer ist hier Gold wert, weil du damit Bildaufbau und Hintergrund besser kontrollieren kannst. Und: Tele ist Pflicht.


Ismaninger Speichersee

Wenn es um Vielfalt und potenzielle Seltenheiten geht, ist Ismaning für viele das Nonplusultra. Das Gebiet ist groß, in Teilen geschützt und nicht überall zugänglich – genau das macht es für die Vögel so attraktiv.

Du musst hier akzeptieren: Nicht alles ist “nah”. Dafür bekommst du oft Szenen, die deutlich natürlicher wirken, weil die Tiere weniger an Menschen gewöhnt sind.

Wer hier fotografiert, sollte sich bewusst Zeit nehmen: erst beobachten, dann entscheiden, wo man stehen bleibt. Oft lohnt es sich, eine Stelle konsequent “auszusitzen”, statt ständig neue Blickwinkel zu suchen.

Welche Vögel du erwarten kannst

Standvögel

Kohlmeise auf einem Weißdornast.
Kohlmeise in einer Hecke.

Das sind die Arten, die hier das ganze Jahr bleiben – und die im Winter fotografisch oft einfacher sind als im Sommer:

  • Meisen (Kohlmeise, Blaumeise)
  • Kleiber
  • Spechte (Buntspecht, Grünspecht)
  • Amseln, Rotkehlchen, Krähen, Eichelhäher
  • je nach Ort auch Erlenzeisige oder Gimpel

Der Vorteil: Diese Arten kannst du planbar fotografieren – besonders an Futterstellen.

Wintergäste aus dem Norden

Im Winter kommen zusätzliche Arten in die Region, die du im Sommer kaum siehst:

  • Bergfinken (teils in großen Trupps)
  • Seidenschwänze in bestimmten Jahren (wenn sie einfallen, sind sie spektakulär)
  • nordische Enten und Säger

Praktische Tipps für erfolgreiche Winteraufnahmen

Tageszeiten und Licht

Im Winter sind die Tage kurz – umso wichtiger ist es, das Licht gezielt zu nutzen. Besonders die Morgenstunden sind oft ideal: weiches, warmes Licht, Raureif oder Schnee und aktive Vögel auf Futtersuche. Auch der späte Nachmittag kurz vor Sonnenuntergang liefert sehr stimmungsvolle Bedingungen.

Ein Vorteil des Winters ist der niedrige Sonnenstand. Selbst mittags lässt sich oft noch gut fotografieren, ohne hartes Zenitlicht. Die Wetterlage spielt dabei eine große Rolle: Bedeckter Himmel wirkt wie eine Softbox und ist ideal für dunkle Vögel vor hellem Schnee, während sonnige Schneetage kräftige Farben und Kontraste erzeugen.

Plane Wind und Wetter mit ein. Windstille Morgen bringen häufig Nebel über Gewässern, frischer Schnee sorgt für klare, reduzierte Kulissen. Und: Die Kälte hat auch ihr Gutes – kein Luftflimmern.

Schnee richtig belichten

Schnee macht die Kamera gerne zu dunkel. Faustregel:

  • Belichtungskorrektur ins Plus (oft +0,7 bis +1,3 EV).
  • Histogramm checken, Highlights nicht ausfressen lassen (bei weißen Vögeln besonders kritisch).

Geduld am Spot

Wintervögel zu fotografieren hat oft weniger mit Technik zu tun als mit Ruhe und Geduld. Vögel sind aufmerksam – wer hektisch unterwegs ist, bekommt meist nur Fluchtdistanzen zu sehen. Der bessere Ansatz ist simpel: erst beobachten, dann fotografieren.

Wenn du an einem Spot ankommst – egal ob Seeufer, Bachlauf oder Futterplatz – nimm dir bewusst ein paar Minuten Zeit. Schau, wo sich die Vögel aufhalten, welche Bereiche sie regelmäßig nutzen und wo sich ruhige Hintergründe ergeben: Schilf, Himmel, Schnee oder dunkler Wald. Überlege dann, wie du dich positionieren kannst, ohne sofort Aufmerksamkeit zu erzeugen.

Beweg dich langsam und überlegt. Vermeide direkte Annäherung im Stechschritt. Oft funktioniert es besser, sich seitlich oder in kleinen Etappen zu nähern: ein paar Schritte, kurz stehen bleiben, warten, dann weiter. Viele Vögel akzeptieren deine Anwesenheit, wenn du keine Bedrohung darstellst. Auch Blickkontakt kann eine Rolle spielen – manchmal hilft es tatsächlich, sich leicht abzuwenden oder scheinbar kein Interesse zu zeigen.

Hast du eine gute Position gefunden, bleib dort. Setz dich hin oder steh ruhig, statt ständig den Standort zu wechseln. Nach kurzer Zeit kehren viele Vögel zu ihrem normalen Verhalten zurück. Genau dann entstehen die besten Bilder: ein Eisvogel, der plötzlich zum Fischstoß ansetzt, oder ein Zaunkönig, der unvermittelt aus dem Dickicht auftaucht. Ein kleines Sitzkissen kann im Winter Gold wert sein – und macht das Warten deutlich angenehmer.

Wichtig ist, auf die Reaktionen der Tiere zu achten. Warnrufe, nervöses Umherhüpfen oder Flucht sind klare Zeichen, dass du zu nah bist. In diesem Fall lieber einen Schritt zurückgehen. Fluchtdistanzen sind artspezifisch: Ein Rotkehlchen im Stadtpark toleriert oft wenige Meter, während Wildgänse auf freiem Feld schon auf große Entfernung reagieren. Mit der Zeit entwickelt man dafür ein gutes Gespür – und genau dieses Gefühl ist oft entscheidender als jedes technische Detail.

Ethik

Gerade in der Wintervogelfotografie hat der respektvolle Umgang mit den Tieren oberste Priorität. Der Winter ist für Wildvögel eine energetisch extrem anspruchsvolle Zeit – jede unnötige Störung kostet Kraft, die sie zum Überleben brauchen. Deshalb gilt ein einfacher Grundsatz: so wenig Einfluss wie möglich nehmen.

Bleib auf Wegen und in ausgewiesenen Bereichen, besonders in Schutzgebieten. Wenn Wasservögel in Buchten oder auf ruhigen Wasserflächen rasten, sollten diese Bereiche konsequent respektiert werden. Winterruhe ist kein theoretisches Konzept, sondern überlebenswichtig. Als Fotograf hast du den großen Vorteil langer Brennweiten – nutze sie. Lieber ein Bild vom Ufer mit etwas Beschnitt als ein paar Meter näherzugehen und einen ganzen Trupp aufzuscheuchen.

Warum das so entscheidend ist: Werden scheue Wintergäste wie nordische Enten oder Gänse gestört, flüchten oft ganze Schwärme gleichzeitig. Das kostet enorme Energie, die dann zum Warmhalten oder zur Nahrungssuche fehlt – bei starkem Frost kann das über Leben und Tod entscheiden. Kein Foto rechtfertigt diesen Stress.

Verzichte deshalb konsequent auf Lockmethoden: kein Klopfen, kein Rufen, kein gezieltes Anfüttern. Füttern ist nur an dafür vorgesehenen Stellen sinnvoll und sollte fachgerecht erfolgen – Brot oder salzige Nahrung schaden den Tieren.

Ethik bedeutet manchmal auch, ein Motiv bewusst liegenzulassen. Wenn ein seltener Kauz tagsüber in seiner Schlafhöhle sitzt und bereits viele Menschen davorstehen, ist Abstand die bessere Entscheidung – auch wenn das Bild verlockend wäre.

Rücksicht ist kein Verzicht, sondern Teil guter Naturfotografie.

Ein positives Vorbild liefern viele Wintergebiete an den Voralpenseen: Wassersport ruht dort in der kalten Jahreszeit, damit Vögel ungestört rasten können. Als Fotograf sollte man sich diesem Gedanken anschließen. Wenn wir achtsam handeln, profitieren beide Seiten – die Vögel durch Ruhe, und wir durch natürliche, entspannte Motive. Denn am Ende geht es nicht darum, Tiere in die Flucht zu treiben, sondern ihre Schönheit zu zeigen.

Fazit

Wintervogelfotografie rund um München ist mehr als ein “Ersatzprogramm” für den Sommer. Sie ist oft direkter, klarer und überraschend vielseitig: von kleinen Singvögeln an Futterstellen bis zu riesigen Wasservogelansammlungen an den Voralpenseen.

Wenn du dich gut vorbereitest, warm bleibst und dir Zeit nimmst, bekommst du Motive, die nur der Winter liefert: ruhiges Licht, Froststimmung, klare Linien – und Vögel, die sich konzentriert an wenigen Orten zeigen.

Und am Ende bleibt für mich immer derselbe Gedanke: Die besten Bilder entstehen, wenn wir uns so verhalten, dass die Tiere uns ignorieren können. Dann sind wir nur Beobachter – und genau daraus entstehen die stärksten Fotos.

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