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- 29. September 2026

Zentralindien im Februar – was die Region fotografisch hergibt

Salwald, Maidans und Pufferzonen: was Zentralindien im Februar fotografisch hergibt, welche Arten realistisch sind – und wo die Region enttäuscht.

Julius Kramer

Wildlife-Fotograf & Naturschützer

Kurz nach sechs sitze ich im offenen Jeep und friere ein bisschen. Der Weg läuft am Rand eines Graslands entlang, links steht Salwald, rechts reicht trockenes Gras bis zur Waldkante. Eine Gruppe Axishirsche frisst sich langsam durch den Streifen, einem der Tiere sitzt ein Vogel auf dem Rücken und liest ihm Parasiten ab. Das ist die Grundsituation in Zentralindien: dichter Dschungel, der sich immer wieder öffnet, und dazwischen Flächen, auf denen man tatsächlich etwas sieht.

Ich werde oft gefragt, warum ich für Indien nicht in eines der bekannten Reservate fahre, wo die Tiger praktisch vor der Kamera Schlange stehen. Die Antwort hat mit Lebensraum zu tun, mit Licht, und mit einer Rechnung, die man ehrlich aufmachen muss.

Wald, Gras und der Rand dazwischen

Der Salwald steht in den tieferen Regionen: hohe, gerade Stämme, wenig Unterholz. Im Gegenlicht fällt die Sonne in Streifen zwischen den Stämmen durch, und ich habe zwei Tage gebraucht, bis ich aufgehört habe, gegen diese Streifen anzukämpfen, und angefangen habe, sie ins Bild einzubauen. Auf den trockeneren Hängen wird daraus Mischwald mit Teak, unübersichtlicher, mit Dickicht am Boden, das so laut raschelt, dass man jedes Tier hört, bevor man es sieht.

Dann die Maidans, die Graslandflächen. Ein Teil davon geht auf Dörfer zurück, die bei der Einrichtung der Schutzgebiete umgesiedelt wurden. Für mich sind sie der wichtigste Teil: Da steht das Gras, in dem die Hirsche fressen, da ist Abstand möglich, und da funktioniert das Abendlicht.

Und dann der Rand, die Pufferzonen, in denen Menschen leben und Vieh weidet. Ich hatte dort morgens Tigerspuren im Staub des Fahrwegs, keine hundert Meter von einem Gehöft entfernt. Über diese Waldstücke wechseln die Tiere zwischen den verschiedenen Kernzonen. Wenn sie besiedelt und unpassierbar sind, isolieren sich die Populationen, und das wird auf Dauer zum Problem.

Hanuman-Langur läuft im Gegenlicht über offenes, trockenes Grasland
Hanuman-Langur im Gegenlicht über offener Fläche.

Warum der Februar

Ich war zuletzt im April dort, am Ende der Trockenzeit, und habe ab halb neun morgens im Wesentlichen Hitzeflimmern fotografiert. Der Februar liegt günstiger: Monsun seit Oktober vorbei, Vegetation zurückgezogen, die große Hitze noch nicht da.

Praktisch heißt das: Die Sicht ist besser als in jedem anderen Monat des Winterhalbjahrs, weil das Gras niedrig und das Unterholz dünn ist – nach dem Monsun steht dieselbe Fläche brusthoch und man sieht keine zwanzig Meter weit. Die Tiere verteilen sich weniger, weil die kleinen Wasserstellen nach und nach trockenfallen und benutzt wird, was übrig bleibt; an einem solchen Wasserloch habe ich einen Tiger erlebt, der sich eine halbe Stunde lang nicht gerührt hat.. Und die Morgen sind kühl, oft um die zehn Grad – daher die Jacke –, weshalb Hirsche und Languren länger draußen bleiben, statt sich um acht in den Schatten zu legen.

Dazu kommt der Staub in der Luft, der das erste und das letzte Licht weich macht. Im Gegenlicht arbeite ich am liebsten damit.

Bengalischer Tiger liegt am Ufer eines Wasserlochs, im Hintergrund warm gespiegeltes Licht
Tiger am Ufer eines Wasserlochs, spätes Licht.

Was realistisch vor die Kamera kommt

Das beste Bild, das ich von dort mitgebracht habe, ist kein Tiger, sondern ein Hanuman-Langur, der im Gegenlicht über eine offene Fläche läuft. Languren, Axishirsche, Sambar, Wildschweine und Pfauen hat man täglich und in brauchbarem Licht. Das klingt unspektakulär, ist aber das Material, mit dem sich ein Lebensraum erzählen lässt.

Mit Geduld kommen Gaur (Bos gaurus) dazu, das größte Wildrind der Welt. Meiner stand am Wegrand, ist losgetrabt und war nach vier Schritten im Salwald nicht mehr zu sehen – für ein Tier von knapp einer Tonne eine erstaunliche Leistung. Dazu Riesenhörnchen in den Kronen und, mit etwas Glück, Rothunde im Rudel.

Echtes Glück sind Lippenbär, Leopard und der Tiger in einer Situation, die mehr hergibt als einen Anwesenheitsnachweis. Wer auf Vögel aus ist, bekommt viel geboten, sollte aber wissen, dass Kleinvogelfotografie aus einem fahrenden Jeep heraus schwierig bleibt.

Was Indien nicht kann

Das hier ist Wald. Wer von Ostafrika kommt, wird die offene Fläche vermissen, die großen Herden und die Möglichkeit, ein Tier über eine Stunde im freien Feld zu begleiten. Man fotografiert oft durch Äste hindurch, die Hintergründe sind unruhig, und ein sauberer Freisteller ist die Ausnahme.

Man bleibt im Fahrzeug und auf den Wegen. Die Routen sind zugeteilt, die Ausfahrten zeitlich festgelegt, mittags ist zu. Wer gewohnt ist, sich die Position selbst zu suchen, muss sich daran gewöhnen, dass die beste Perspektive manchmal einfach nicht zu haben ist.

Und der Punkt, der hinterher am meisten Ärger macht, wenn ihn vorher niemand sagt: die Tigerdichte in Satpura ist niedriger als in den bekannten Tiger-Parks. Wer zehn Tage bucht, um einen Tiger abzuhaken, ist dort falsch. Ich hatte Ausfahrten, auf denen außer Hirschen und einem sehr entspannten Riesenhörnchen nichts passiert ist. Wer dagegen den Wald fotografieren will, in dem ein Tiger lebt, hat dort mehr Raum und deutlich weniger Jeeps um sich herum.

Im Februar 2027 fahre ich wieder hin

Vom 21. Februar bis zum 2. März 2027 bin ich mit acht Teilnehmer:innen im Satpura-Nationalpark. Durchführung: Gaia Tales. Acht Plätze, und der Rest steht auf der Reiseseite.

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Balzende Doppelschnepfe mit offenem Schnabel im Moor.

Komm mit raus. Die Wildnis wartet.

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