Langzeitprojekt · seit 2015
Im Schatten des Waldes
Dem Eurasischen Luchs auf der Spur — mit Kamerafallen im Bayerischen Wald.
Zeitraum
seit 2015
Region
Bayerischer Wald
Technik
DSLR-Kamerafallen
Partner
Luchsprojekt Bayern
Der Bayerische Wald ist Heimat des Eurasischen Luchses — einer der letzten Rückzugsorte dieser scheuen Katze in Deutschland. Hier teile ich meine Erfahrungen bei der Fotografie der Pinselohren und gebe Einblicke in die Schutzprojekte, die sich für ihren Erhalt einsetzen.
Im Mai 2015 ging ein Aufschrei durch die nationale und internationale Presse: illegale Luchstötungen im Bayerischen Wald wurden bekannt. Die Täter waren sogar so dreist, abgeschnittene Luchspfoten in unmittelbarer Nähe einer Kamerafalle des Luchsprojektes Bayern abzulegen. Für mich war klar: es braucht gute Bilder von den Tieren dort, um mit deren einzigartiger Schönheit Emotionen und Verständnis für diese wunderbaren Katzen zu wecken. Aber wie?

Ein Eurasischer Luchs durchstreift den moosbedeckten Waldboden — Spitzenprädator und doch selten zu Gesicht zu bekommen.
Luchsfotografie im Bayerischen Wald
In Zusammenarbeit mit dem Luchsprojekt Bayern begann ich, im Oberen Bayerischen Wald Möglichkeiten auszukundschaften, wie man Luchse mit DSLR-Kamerafallen fotografieren kann. Luchse haben große Reviere von 150 km² bis 400 km² — Weibchen etwas kleiner als die Männchen. Dabei liegt ein Männchenrevier häufig über mehreren Weibchenrevieren. Dennoch: die Chance, zufällig auf einen Luchs zu treffen, ist entsprechend gering. Es ist ein wenig, wie die Nadel im Heuhaufen zu suchen.
Nach der Ausrottung des Luchses im Bayerischen Wald 1846 und nur vereinzelten Nachweisen zugewanderter Einzeltiere wurden in den 1970ern wohl zwischen fünf und zehn Tiere in der Region freigelassen. 1987 folgten offiziell 17 Luchse in Tschechien, die den Grundstock der heutigen Population bildeten. Mittlerweile sind in Bayern — von Waldmünchen bis Passau — wieder rund 40 unabhängige Luchse unterwegs. Ein Großteil sind Grenzgänger zwischen Deutschland und Tschechien.


Das Luchsprojekt Bayern betreibt seit vielen Jahren Fotofallenmonitoring, um Bestandsentwicklung und Verbreitung des Luchses zu erfassen. Dabei lässt sich jeder Luchs individuell an seiner Fellzeichnung erkennen. Im Winter werden zusätzlich Spuren dokumentiert, um weitere Nachweise zu gewinnen.
Die Arbeit mit DSLR-Kamerafallen
Bei der Arbeit mit Kamerafallen muss man viel Zeit investieren, um die richtigen Standorte zu finden. Luchse sind bequem und lieben die Fortbewegung auf Waldwegen und Forststraßen. Aber dort zu fotografieren ist weder schön noch sicher — eine Spiegelreflexkamera in der Box weckt schnell Begehrlichkeiten, von unzähligen Fehlauslösungen durch Fahrräder, Hunde und Wanderer ganz zu schweigen.
Meine Kameras stehen in sehr unzugänglichen Felsgebieten. Ich verzichte bewusst darauf, im Tarnzelt anzusitzen — die Gefahr, die Tiere als Mensch zu beeinflussen, ist mir zu groß. An den Stellen, an denen Luchse ihre Duftmarken absetzen, lassen sich mit viel Geduld Aufnahmen dieses typisch katzenartigen Verhaltens machen.

Felsige, unzugängliche Standorte stören die Tiere am wenigsten — und liefern die eindrücklichsten Bilder.
Dennoch sind Luchse wenig scheu — schon mehrfach muss sich ein Tier in unmittelbarer Umgebung meiner Kamera aufgehalten haben. Ab und an verlasse ich die Kamera, und nur eine halbe Stunde später inspiziert ein Luchs, was der Mensch dort getrieben hat. Diese Unbedarftheit wird den Tieren leider oft zum Verhängnis.
Neben Luchsen geht natürlich allerlei Beifang in die Kamerafalle: von Garten- und Siebenschläfer, Wiesel und Waschbär bis hin zu Wildschwein und Reh ist alles dabei, was die Fauna im Bayerischen Wald hergibt. Spannend: immer wieder ist ein Luchs an derselben Stelle zu sehen.
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